Zu Fuß

Die geografische Grundstruktur der Stadt Jena (bandartig im Saaletal gelegen, im wesentlichen zwei Siedlungsschwerpunkte) ist für das „Zufußgehen“ im Vergleich zu kompakteren Stadtstrukturen eigentlich eher ungünstig. Im Ergebnis der regelmäßigen repräsentativen Verkehrsbefragungen (SrV) ist allerdings festzustellen, dass die Stadt Jena beim Anteil der Fußwege mit 39 % (sog. Wegeanteile) einen bundesweiten Spitzenplatz einnimmt. Die Gründe hierfür sind komplex und wirken sich im Verbund günstig auf den umweltfreundlichsten Verkehrsanteil am Modal Split aus.

Pilotprojekt Fußverkehrsstrategie

Fußgänger!© Fuss e. V., B. Herzog-Schlagk

2016 von insgesamt siebzig Bewerbungen als eine der fünf Modellstädte zur Erarbeitung von Grundlagen für einen „Handlungsleitfaden für kommunale Fußverkehrsstrategien“ ausgewählt. Das vom Fachverband Fußverkehr Deutschland FUSS e. V. durchgeführte bundesweite Projekt wird durch das Umweltbundesamt (UBA) und das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) finanziell unterstützt. Es wurden also keine städtischen Mittel benötigt.

2017 wurden Begehungen und Fachtreffen durchgeführt, um die Situation der Fußgängerinnen und Fußgänger in Jena zu erfassen und erste Vorschläge für Verbesserungen zu erarbeiten. In Priorität gesetzt wurde die Erarbeitung eines Fußwegenetzes und deren Lückenschlüsse, in dem die Überwindung der Verkehrsachse westlich der Saale und entsprechende Querverbindungen in die Innenstadt und zu den anderen Stadtteilen eine zentrale Rolle einnehmen soll.

Für die Verkehrsachse vom Bahndurchgang Kulturpark „Rasenmühle“ bis zur Camsdorfer Brücke wurden teilweise konkrete Verbesserungsvorschläge erarbeitet. Darüber hinaus wurden zahlreiche weitere Vorschläge und Wünsche eingebracht wie z. B. ein Wegweisungssystem und die bessere Ausleuchtung der Bahnunterführungen. Die Aufzeichnung der Ergebnisse des Fußverkehrschecks, einer gemeinsamen Ortsbegehung mit Diskussionen über mögliche Verbesserungen sowie der beiden Workshops finden Sie hier.

Wohnortnahe Versorgung

In den großen Wohngebieten sind zumeist wohnortnah gute Versorgungs- und Dienstleistungs­einrichtungen vorhanden. Die großen Gewerbestandorte sind in der Regel gut an das öffentliche Nahverkehrssystem angebunden.

 Nahversorgung S.-Allende-PlatzNahversorgung Salvador-Allende-Platz , © Stadt Jena

Der hohe Anteil der Studierenden an der Gesamtbevölkerung (> 20%) wirkt sich ebenfalls positiv aus. Bundesweite Untersuchungen zeigen, dass sich seit der Einführung des Semestertickets der Anteil der ÖPNV-Nutzer signifikant erhöht hat. Die dann entstehenden Wegeketten führen ebenfalls zu einer höheren Anzahl an Fußwegen.

Verbesserung der Infrastruktur

Die Stadt hat bei Bauleitplanungen und Infrastrukturmaßnahmen in den vergangenen Jahren darauf geachtet, die sogenannte "Stadt der kurzen Wege" umzusetzen und somit direkt Einfluss auf den Fußgängerverkehrsanteil zu nehmen. Die Innenentwicklung wird gefördert und als Ziel der städtischen Entwicklung gesehen.

Insbesondere in den Jahren 2008-2012 wurden verstärkt finanzielle Mittel in die Verbesserung von sogenannten Fußgängerverkehrsanlagen – d. h. Fußgängerüberwege (Zebrastreifen), Fußgänger-Ampeln, Fahrbahnteiler zum besseren Überqueren der Straße, Fußwegverbreiterungen, Entflechtung von Rad- und Fußgängerverkehren - investiert.

Ziele

SrV 2013 Modal SplitVerkehrsmittelwahl in Jena (nach SrV 2013), © Stadt Jena

Ziel der städtischen Verkehrsplanung ist es, dem hohen Fußgängerverkehrsanteil in den nächsten Jahren noch stärker Rechnung zu tragen. Hierfür ist geplant, parallel zur Fortschreibung des Verkehrsentwicklungsplans (VEP), dem Parkraumkonzept (2010), dem Radverkehrskonzept (2012) und dem Nahverkehrsplan (2014) ein modernes Fußgängerkonzept zu erstellen.